Schwarzkollm profitiert vom Krabat-Film

Tipp der Redaktion Touristen suchen in der Oberlausitz nach der Schwarzen Mühle

09.10.2008 Wilhelm Ruprecht Frieling

Durch das neu entfachte Interesse an der Volkssage kommen Busladungen Touristen nach Schwarzkollm, um die Schwarze Mühle zu suchen und auf den Spuren Krabats zu wandeln.

Das Lausitzer Seenland hält zahlreiche Aktivitäten für Radfahrer, Skater und Wassersportler bereit. Aber das 900-Seelen-Dorf Schwarzkollm, Ort im östlichen Teil des Freistaates Sachsen in der Oberlausitz, hat etwas Besonders: hier entstand die Legende um Krabat. Diese Volkssage, die Ende des 17. Jahrhunderts nahe Schwarzkollm spielt, schildert die Geschichte eines Lehrlings, der sich gegen seinen Hexenmeister behaupten muss und ihn schließlich zum Kampf herausfordert.

Auf rund 30 Kilometer gut markierten Wander- und Radwegen lernt der Besucher die schöne, abwechslungsreiche Landschaft um Schwarzkollm kennen. Ob für Ausdauernde, Gemütliche, Aufmerksame, Romantiker, Naturliebhaber oder Schnuppernasen, für alle ist etwas dabei. Eine übersichtliche Wander- und Radwanderkarte mit zahlreichen Hinweisen wurde von der Gemeinde heraus gegeben. Außerdem gibt es einen drei Kilometer langen Naturlehrpfad, der Einblicke in die Pflanzen- und Tierwelt der Region vermittelt.

Krabat-Wanderweg führt zum Sterbehaus

Ein ausgeschilderter Krabat-Wanderweg führt vom Ort zum Gasthaus »Zum Schwan«, das Krabatbier kredenzt. Laut dem Sagenbuch des Königreiches Sachsen starb Krabat in diesem Gebäude. Das Sagenbuch vermerkt dazu: »Die freundlichen Wirtsleute waren sehr um seine Pflege besorgt. Er sagte zu den um sein Bett stehenden Getreuen, wenn sich der Geist der irdischen Hülle des Körpers entlöste, und es würde dann ein schwarzer Rabe auf dem Schornstein des Sterbehauses sitzen, so sei er verloren. Ließe sich dort ein weißer Schwan sehen, so habe er ein seliges Ende gefunden ... Eben stimmten die im Sterbezimmer Weilenden den wendischen Trauergesang an, da sahen sie auf dem Dachfirsten das Gefieder eines weißen Schwanes glänzen.«

Der Heimatverein des Ortes bemüht sich derzeit mit Volldampf, eine historische Mühle am Ortsrand wieder zu errichten. Damit fänden die Krabat-Fans den Ort, nach dem sie suchen. Gesindehaus sowie ein weiteres Gebäude mit Laubengang und Turm stehen bereits. Von der historischen Mühle steht indes nur noch die Scheune, ein windschiefer, dunkler Schuppen.

Krabat, der sorbische Doktor Faustus

Krabat, der gern als »sorbischer Faust« bezeichnet wird, hat tatsächlich gelebt. Johann von Schadowitz, historisches Vorbild der Krabatfigur, diente in der sächsischen Armee unter Kurfürst Johann Georg III. als Rittmeister (Kapitän) der Kavallerie, zuletzt im Dienstrang eines Oberst. Wegen seiner Tapferkeit im Krieg gegen die Türken bekam der aus Agram stammende kroatische Reiter vom Kurfürsten am 31. März 1691 die Privilegien und Rechte über das Vorwerk Särchen auf Lebzeiten verliehen.

Mit seiner prachtvollen Uniform und seinem südländischen Aussehen bot Krabat im Dorf ein respektables und außergewöhnliches Erscheinungsbild. Seine Reitkünste und das weltgewandte Auftreten boten den Einwohnern Särchens Stoff für Sagen und Legenden. Er erreichte ein Alter von 80 Jahren und starb laut Eintragung im Totenbuch von Wittichenau am 29. Mai 1704 in Särchen. »Krabat« bedeutet eigentlich »Kroate».

Hexenmeister Krabat im Bund mit dem Teufel

Aus dieser historischen Figur entwickelten Märchenerzähler und Schriftsteller den Hexenmeister Krabat, der einen Bund mit dem Teufel einging.

In der DDR wurde die Legendenbildung um Krabat durch den sorbischen Schriftsteller Jurij Brezan (1916 - 2006) genährt. Brezans Werke schöpften aus dem reichhaltigen Sagen- und Märchenstoff der sorbischen Oberlausitz. Krabat taucht in seiner Märchenerzählung »Die Schwarze Mühle« von 1968 und in den beiden Romanen »Krabat oder Die Verwandlung der Welt« von 1976 und »Krabat oder Die Bewahrung der Welt von 1993« auf. 1975 verfilmte die DEFA das Thema unter dem Titel »Die Schwarze Mühle«.

Otfried Preußler schuf Vorlage für »Krabat - der Film«

In der Bundesrepublik nahm sich Otfried Preußler mit seinem 1971 erschienenen Jugendbuch »Krabat« der Thematik an. Sein Roman handelt von dem 14jährigen Waisenjungen Krabat, der Lehrling in einer Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm wird. Diese Mühle stellt sich jedoch schon nach kurzer Zeit als eine »Schwarze Schule« heraus, in welcher der Müllermeister seine Mühlknappen in der Schwarzen Kunst unterrichtet.

Krabat gefällt die Lehrzeit in der Mühle und der Schwarzen Schule. Die Macht, die man mittels Magie über andere Menschen ausüben kann, fasziniert ihn. Er freundet sich auch mit den Gesellen an. Eine besondere Freundschaft entsteht zu Tonda, dem Altgesellen, der ihm zum Vorbild wird. Doch nicht einmal ein Jahr währt diese Freundschaft, denn Tonda stirbt am Ende des ersten der drei Jahre, die Krabat in der Mühle verbringt - angeblich durch einen Unfall und ein neuer Lehrjunge nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Auch nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt ein weiterer Geselle auf mysteriöse Art und Weise - und wird wiederum durch einen Neuling ersetzt. Krabat durchschaut erst nach und nach dieses furchtbare Spiel, zu dessen Teil er geworden ist: Der Meister, der sich dem Bösen verschrieben hat, muss am Ende eines jeden Jahres einen seiner Schüler dem »Herrn Gevatter« zum Opfer bringen. Andernfalls würde er selbst sterben müssen.

Um seinen Freund Tonda und die anderen getöteten Gesellen zu rächen, übt Krabat sich in der Schwarzen Kunst und wird schließlich zum besten Schüler. Kraft gibt ihm die Liebe zu einem geheimnisvollen Mädchen, mit der er sich heimlich trifft, deren Namen er aber nicht kennt.

Juro, einer der Gesellen, vertraut Krabat schließlich an, dass es einen Weg gibt, den Meister zu besiegen: Das Mädchen, das ihn liebt, muss ihn beim Meister frei bitten. Die anschließende Probe entscheidet darüber, wer sterben muss: Der Meister oder die Liebenden. Gewinnen die Liebenden, sind auch alle anderen Gesellen vom Fluch der Schwarzen Mühle befreit. Mit dem Ende des Fluchs verlieren sie jedoch ihre magischen Fähigkeiten und sind nur noch gewöhnliche Müllerburschen. Im Ergebnis überwindet die Liebe das Böse.

Krabat - der Film seit 9. Oktober im Kino

Preußlers Buch diente wiederum Regisseur Marco Kreuzpaintner als Vorlage, um Krabat zu verfilmen. Die Schauspieler David Kross und Paula Kalenberg spielen in dem Filmepos die Hauptrollen.

Der Artikel Schwarzkollm profitiert vom Krabat-Film in Ausflüge in Deutschland unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Schwarzkollm profitiert vom Krabat-Film ist Wilhelm Ruprecht Frieling.
Die schwarze Mühle im Winter (Filmfoto), Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion / Marco Nagel Die schwarze Mühle im Winter (Filmfoto)
Christian Redl als Meister, David Kross als Krabat, Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion / Marco Nagel Christian Redl als Meister, David Kross als Krabat
 
;